Vlog, Videoblog: Hans-Eberhard Zahn: Zeitzeuge: DDR und Staatssicherheit.

23. October 2006

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Interview mit Hans-Eberhard Zahn (Quicktime-Video)

Hans-Eberhard Zahn ist 78 Jahre alt und das Ereignis, das sein ganzes Leben veränderte, liegt lang zurück. Es war der 14. November 1953: Hans-Eberhard Zahn war damals Student der Psychologie und erledigte einen Botengang für einige Kommilitonen. Es ging darum, von den Studenten gesammeltes Geld in den Osten Berlins zu bringen, um deren Verwandtschaft zu unterstützen: Nichts Illegales also, nur ein Hilfsdienst. Die Staatssicherheit fing ihn, den Boten, ab und nahm ihn gefangen. Der Vorwurf lautete: Agententätigkeit. Hans-Eberhard Zahn sollte jener Botendienst sieben Jahre seines Lebens kosten, genau 2555 Tage, die er im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen zubrachte.
Wenn er im Interview über die DDR spricht, hört man keine Verbitterung. Ganz im Gegenteil: Er spricht, ohne große Emotionen zu zeigen, nüchtern, rational, sachlich über das Erlebte und das System, das es möglich machte, einen Menschen unschuldig jahrelang gefangen zu halten. Jedoch läßt er keinen Zweifel an der Unrechtmäßigkeit des ehemaligen Regimes zu; ein Untertanenstaat, wie er sagt. Das, was er den obersten Genossen der DDR besonders vorwirft, ist der Umstand, die Menschen zur Unselbständigkeit erzogen zu haben. Die große Masse der DDR-Bürger sei nicht in der Lage gewesen, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Dies wirke bis in die heutige Zeit nach.

Heute lebt er, wie wir alle in Deutschland, in einem demokratischen Staat, den er voller Überzeugung als den besseren bezeichnet. Nichtzuletzt aus dem Grund, weil mit den ehemaligen Tätern fair umgegangen wird. Und darum fühlt sich Hans-Eberhard Zahn keinesfalls als Verlierer, sondern als Sieger.

Er, der ein Opfer der Stasi war, tritt nicht als Opfer auf. Er wirkt selbstbewußt und denen, die ihn einst quälten, weitaus überlegen. Vielleicht hielt er es wie der Psychiater und ehemalige KZ-Häftling Viktor Frankl, der sich selbst unter der Folter weigerte, als Opfer aufzutreten, sondern sich immer wieder fragte: Was soll ich hierbei lernen? Das half ihm, die Würde zu behalten und rettete ihm schlußendlich das Leben. Auch Hans-Eberhard Zahn hat nicht nur gelitten, sondern auch gelernt und so sagt er heute: Das jetzige System ist das Bessere!

Film ab!

Daniela Krien

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