Vlog, Videoblog: ° Frauenkirche Dresden° : Temperierung nach Großeschmidt

15. January 2007

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Interview: Henning Großeschmidt. Museumsrestaurator. Temperierung. (Quicktime-Video)

Die Frauenkirche – ein Bauskandal
Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ist ein Beweis für den festen Willen einer kulturverbundenen Bürgerschaft. Millionen von Euro wurden gespendet. Der Grundstein für die neue Frauenkirche wurde am 27. Mai 1994 gelegt. Insgesamt 179 Millionen Euro kostete der Wiederaufbau. Allein die Heizungsanlage verschlang Millionen, nur wurde diese leider wider besseres Wissen gebaut, denn: Die aufgebaute Kirche schimmelt und das ist ein Skandal.
Was ist passiert? Den leitenden Architekten lag die einfache und kostengünstige (maximal 500.000 Euro teure) Variante einer Temperierung vor, nach der ein Schimmelbefall absolut sicher hätte ausgeschlossen werden können. Sie gaben jedoch lieber Millionen aus und bauten nach veralteten und überholten Technologien. Die Architekten und Ingenieure haben im Neubau der Frauenkirche 7,7 Kilometer Heizleitungen verbaut; die Klimaanlage kann 40.000 Kubikmeter Luft pro Stunde bewältigen. Diese Einbauten sollten eigentlich zu einem wohligen Klima führen, nicht aber zu Schimmel.
Da die offensichtlich irrlichternden Bauherren noch immer fest im Sattel sitzen, wird nun mit viel Geld und ohne große Wirkung gegen den Schimmel ansaniert.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, nach der in Dresden abgelehnten neuen Heizmethode, der Temperierung, zu forschen. Dabei fanden wir heraus: Die Temperierung ist nicht nur für Künstler, Museumsdirektoren, Galeristen und sonstige Bilderbesitzer interessant, sondern ebenso für den ganz normalen Häuslebauer. Wir haben es mit einer neuen und günstigen Technologie zu tun, die vor allem durch ihre Einfachheit und Sparsamkeit besticht.

Geschichte der Temperierung
Der Museumsrestaurator Henning Großeschmidt arbeitete schon jahrelang bei der Landesstelle für die Nichtstaatlichen Museen in Bayern. Er war unzufrieden mit der Beheizungsmethode der ihm anvertrauten Museen und Kirchen. So stellte er Nachforschungen an, welche Heizsysteme für das optimale Museumsklima geeignet sein könnten.
Im Zuge seiner Recherchen machte er die Bekanntschaft eines Architekten, der ihn in die Kenntnisse über das römische Hypokaustum (alte römische Heizmethode) und in die Grundlagen der Heizphysik, außerhalb des Lehrwissens, einweihte. Dabei stieß Großeschmidt auf ein Grundübel der modernen Heizsysteme: die Beheizung der Luft.

Luftheizung (Konvektion)
Die Luftheizung (Konvektionsheizung) heizt vornehmlich die Luft und warme Luft steigt bekanntlich nach oben. Darum gingen die Architekten dazu über, die Raumhöhe immer weiter zu verringern. Sie wollten verhindern, daß die Luft nutzlos beheizt an der Decke “steht”. Bis heute wird gemäß diesen Erkenntnissen gebaut und geheizt. Aber schon vor 23 Jahren begann Henning Großeschmidt die alternative Heizmethode – die Temperierung – in die ersten Testläufe zu schicken. Mittlerweile temperiert Henning Großschmidt sehr erfolgreich und ohne jeglichen Schimmelbefall Wohnräume, Museen, Kirchen und Bürogebäude. Die Dämmstoff-Haustechnik-Klimatechnik-Industrie schäumt vor Wut und zittert vor Angst und versucht alles, um die Ausbreitung der Temperierung nach Großeschmidt zu verhindern. Denn es geht um viel Geld, um sehr viel Geld.

Funktionsweise der Temperierung
Die herkömmliche Luftheizung heizt Luft. Die Temperierung nach Großeschmidt dagegen beheizt die Wände von innen; dadurch entsteht Strahlungswärme. In praktischer Umsetzung sieht das folgendermaßen aus: Circa 20 mm unter der Putzschicht werden zwei gewöhnliche Kupferheizrohre (Vor- und Zulauf) in die Wände verlegt. Punkt. Es klingt zu schön, um wahr zu sein, aber das ist tatsächlich schon alles. Mittels der Temperierung können zudem feuchte Wände saniert werden und das trockene Mauerwerk wird undurchlässig für weitere Feuchtigkeit. Und laut eines Versuches in Schweden verbraucht die Temperierung nach Großeschmidt auch noch 20 % weniger Energie als die herkömmliche Luftbeheizung. Die einfache Formel lautet:
Temperieren statt “Heizen – Dämmen – Feuchtesanieren – Klimatisieren”.

Probleme und Widerstände
Wo ist der Haken? Das einzige, was die Verbreitung der Temperierung schwierig macht, ist der enorme Widerstand der Baustoff-Industrie. Wenn ein einfacher Museumsrestaurator die alteingesessenen Bauherren mit dem Ergebnis konfrontiert, nicht mehr zu dämmen, nur noch einen Bruchteil an Heizleitungen zu benötigen und zudem noch sehr einfach und kostengünstig feuchte Wände zu sanieren, hat er sich in kurzer Zeit viele Feinde gemacht.

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Alf Lechner Museum. Temperierung.

Architekten und Architektenhonorare
Zu diesen besagten Feinden gehören auch einige Architekten, denn diese berechnen hierzulande ihre Honorare prozentual nach der Bausumme. Somit bedeuten Technologien, welche die Bausumme erheblich verringern eine direkte Einkommenseinbuße. Aus diesem Grund fordert Henning Großeschmidt außerdem eine Abänderung der Berechnungsgrundlage für die Honorare der Architekten – eine kleine Revolution also.
Die Temperierung nach Großeschmidt ist eine herrvorragende Verschränkung einer uralten römischen Heizmethode mit den modernen Technologien. Wir können in Zukunft in Räumen leben und arbeiten, die durch ein gesundes und angenehm temperiertes Raumklima auffallen, kostensparend dazu. Selbst vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet, ist die Temperierung nach Großeschmidt ein Zugewinn, denn all die hässlichen Heizkörper würden verschwinden.

Film ab: Klick! (Quicktime-Video)

Daniela Krien

Auszug aus dem Buch “Klima in Museen und historischen Gebäuden: Die Temperierung”

Lister der schon temperierten Gebäude:

Schloß Schönbrunn

Städtische Galerie im Lenbachhaus, München

Ernst Barlach Haus, Stiftung hermann F. Reemtsma

Wohn- und Geschäftshaus Barfüßerstraße 13 in Halle

Schloß Meseberg, künftiges Gästehaus der deutschen Bundesregierung

Palazzo Cattaneo, Ala Ponzone, Cremona

Salsta Palace, Schweden

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2 Kommentare zu “Vlog, Videoblog: ° Frauenkirche Dresden° : Temperierung nach Großeschmidt”

  1. 01

    Die Dresdner Frauenkirche schimmelt? Na klar, und das schon lange vor der Einweihung. Temperieren anderer (Groß)Bauwerke als schimmelvermeidendes und kostengünstiges Heizsystem? Bessere und traditionell bewährte Baustoffe für die Oberflächen (Kalkputz und Kalktünche)?

    Na klar, z.B. Schloß Veitshöchheim bei Würzburg und erst jüngst – ganz ohne teure, substanzzerstörende und effizienzmindernde Unterputz-Durchschlitzung der historischen Bausubstanz – die spätgotische Kilianskirche in Waldbach (Baden-Württemberg). Details siehe Webseite …

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    Konrad Fischer am 15. January 2007 um 12:29
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  2. 02

    Die Ignoranz der Ausbildung in Deutschland ist eine Schande. Die Praxis hat die Theorie längst überholt.

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    Bernd Lehmann am 28. March 2007 um 11:14
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