Vlog, Videoblog: Mutter und Kind : Schwangerschaft, Sexualität, Liebe …

12. February 2007

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Interview: Franziska Ley: Mutter und Kind (Quicktime-Video)

Wenn Frauen Mütter werden, dann ist das heute mehr denn je ein tiefgreifender Einschnitt in das Leben der Frauen. Denn noch nie in der Geschichte war es so selbstverständlich, dass auch eine Frau sich selbst verwirklicht, indem sie einen Beruf ausübt. Dann kommt das erste Kind und mit ihm diverse noch nie dagewesene Konflikte. Vor allem die Doppelbelastung oder vielmehr Dreifachbelastung Haushalt, Kind, Beruf bringt die Krisen mit sich, die nicht selten zur Trennung des Elternpaares führen. Denn in vielen Beziehungen ist zwar klar, dass die Frau wieder arbeitet nach der Babypause, weniger klar ist allerdings, dass Haushalt und Kinderbetreuung dann tatsächlich geteilt werden müssen zwischen den Partnern. Die Rollen werden neu definiert, passend für die heutige Zeit. Und innerhalb dieser neuen Rollen sollen Frauen nicht männlich und Männer nicht weiblich werden. Und was ist eigentlich typisch männlich und typisch weiblich?

Noch in den fünfziger Jahren waren die Rollen von Mann und Frau recht klar abgesteckt. Frauen in Machtpositionen waren bestaunte Exotinnen. Arbeitende Frauen waren überhaupt noch in der Minderheit. Im Jahr 1958 wurde gesetzlich beschlossen, dass Frauen auch ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten gehen durften, sofern sie den Haushalt nicht vernachlässigten. Jedoch erst 1977 durfte der Ehemann seiner Frau nicht mehr in ihrem Namen den Job kündigen. Selbst das Wahlrecht für Frauen war noch recht jung: in Deutschland 1919, in Frankreich zum Beispiel erst 1944 eingeführt. Die Mutterschaft war noch das Selbstverständlichste der Welt, der Einschnitt ins Leben der Frau durchaus nicht gering, aber da weniger Konflikte mit den anderen Rollen der Frau auftraten, da es andere Rollen nicht gab, weniger schwierig.
Dann begann der große Sturm der Emanzipationsbewegung mit all den Irrungen und Wirrungen, die zu einer Revolution gehören. Im Gewühl des Zeitgeschehens der sechziger und siebziger Jahre tummelten sich wunderbar mutige Frauenrechtlerinnen genauso wie verbissene Emanzen. Nötig waren sie alle und was sie erkämpft haben, kommt uns Frauen heute zu Gute. Nun haben wir eine Bundeskanzlerin und über 50% weibliche Studierende an den Universitäten. Diese allerdings bekommen keine Kinder mehr (40% der deutschen Akademikerinnen): die Kehrseite der Medaille eben.
Aufgescheucht von apokalyptisch argumentierenden Demographen grübeln die Politiker und Soziologen nun über die Gründe. Diese sind, wie immer bei komplexen gesellschaftlichen Vorgängen, vielfältig. Der Drang zur unbedingten Selbstverwirklichung auf beruflicher Ebene ist eines der oft angeführten Motive für die Gebärverweigerung. Andere heißen: Es fehlt der richtige Partner, es wäre eine zu große finanzielle Belastung und so weiter und so fort. Wer sich nicht fortpflanzt, stirbt aus. So einfach ist die Evolution. Wer also stirbt aus in unserem Land? Will man es grob über einen Kamm scheren und diejenigen beiseite lassen, die aufgrund von Unfruchtbar- oder Zeugungsunfähigkeit nicht in der Lage sind, für Nachkommen zu sorgen, dann werden es die Unentschiedenen, Ängstlichen und Egoistischen sein, die den alten Prinzipien der Evolution zum Opfer fallen. Damit ist noch nicht gesagt, dass alle, die sich vermehren, großartig, mutig und altruistisch sind. Aber sie sind quasi eine Runde weiter gekommen. Und um nun wieder zum ursprünglichen Thema zurückzukommen: Wie geht es einer Frau heute, die neben Beruf oder Studium auch noch ein Kind bekommt? Wie kommt sie zurecht mit den vielen Rollen, so viele wie noch niemals vorher? Wie selbstverständlich ist das Mithelfen des Mannes? Die Debatten zu diesem Thema sind zahlreich und öffentlichkeitswirksam. Gerade Frau Herman probte mit ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ einen Zwergenaufstand – ganz sicher bringt sie die Frauen nicht wieder zurück in die Kinderstuben und Küchen – und als Antwort folgte prompt das Buch “Eva go home” von der Kabarettistin, Schauspielerin und Autorin Désirée Nick – die Vernichtung des ersteren. Beide Bücher bestechen nicht unbedingt durch Intelligenz, manchmal aber durch Witz, der wahrscheinlich nicht beabsichtigt war.
Wir dagegen entwickeln keine neue Theorie, sondern fragen einfach die Frauen. Unser erstes Interview dieser Serie führten wir mit der zweifachen Mutter Franziska Ley. Sie ist Logopädin von Beruf und derzeit im Mutterurlaub mit ihrer zwei Monate alten Tochter Hermine. Ihre andere Tochter Liselotte ist fünf Jahre alt. Sie lebt mit ihrem Freund und Vater ihrer Töchter in Leipzig.

Film ab!

Daniela Krien

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3 Kommentare zu “Vlog, Videoblog: Mutter und Kind : Schwangerschaft, Sexualität, Liebe …”

  1. 01

    [...] Kann mal eben jemand den Kack von der Selbstverwirklichung durch Arbeit aus der Welt nehmen? Vergelt’s Gott. [...]

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  2. 02

    [...] Robert Basic bezeichnet es als Blogperle, ich eher als “Entschleunigungskur”, denn das Format ist ruhig und bedarf einer Einlassung darauf. Die vorgestellten Menschen sind bunt gewürfelt: So kommt eine Mutter ebenso zu Wort wie ein Kriegsfotograf, Kunstsammler und Stadtschreiber. Thomas Gigold | Menschen |   Kommentar verfassen [...]

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  3. 03

    “Entschleunigungskur” trifft es gut, finde ich. Wer sonst nur “Ehrensenf” als Vlog sieht im Netz, wird hier ziemlich ausgebremst. Aber an sich nicht schlecht: ich mag es gerne, wenn sich die Kamera auf Meschen, ihre Gesichter und ihre Geschichten einzulassen vermag und im Idealfall, Persönlichkeit und Charisma abzulichten weiss. Ich werde wieder rein schauen. Viel Erfolg!

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    pinkinside am 17. February 2007 um 19:16
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