Vlog, Videoblog: Guido W. Baudach ° Galerist
12. March 2007
Interview mit Guido W. Baudach (Quicktime-Video)
Guido W. Baudach: Galerist
Berlin ist nicht nur unsere Hauptstadt im politischen Sinne, sondern auch was die Kunst betrifft. Es gibt zahlreiche wichtige Galerien, die weltbekannte Künstler vertreten, viele einflussreiche Sammler leben hier und nicht zuletzt natürlich die Künstler von Rang und Namen.
Auch einen Kölner hat es hierher verschlagen: Guido W. Baudach. Die Zeitschrift Monopol nannte ihn die „rheinländische Antwort auf Judy Lübke“, was nicht viel aussagt, außer dass er geschäftlich sehr erfolgreich ist. Darüber hinaus jedoch versteht er wirklich etwas von Kunst. Er gründete seine Galerie für zeitgenössische Kunst eher zufällig. Mit zwei weiteren Mitstreitern mietete er 1999 einen leerstehenden Strickwarenladen für ein für sechs Wochen geplantes Kunstprojekt. Sie organisierten Ausstellungen und verkauften Getränke. Es lief gut und sie verlängerten um weitere sechs Wochen. Schließlich verzichtete der ehemalige Philosophiestudent zugunsten der Kunst auf die geplante akademische Laufbahn. Er wurde Galerist und stellt heute unter anderem Andreas Hofer, Thomas Helbig und Bjarne Melgaard aus. Melgaards Werke erinnern an Jonathan Meese, wirken aber zum Teil noch extremer und abgründiger. Seine Werke umfassen Malerei, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen, wie auch bei Andreas Hofer. Vielseitig und ausdrucksstark sind Baudachs Künstler. Einen enormen Unterschied sieht Baudach zwischen katholischer und protestantischer Kunst. Er selbst, katholisch geprägt, aber kein praktizierender Katholik, bevorzugt offensichtlich katholische Kunst.
Katholische versus protestantische Kunst
Die großen Unterschiede im Kunstverständnis der Protestanten und Katholiken liegen wohl in der sinnlichen Erfassung eines Werkes und auch in der Art des Sammelns von Kunst. Während der Protestant im Allgemeinen das Verstehen des Werks in den Vordergrund stellt, geht es dem Katholiken erst einmal um das Gefallen und nachrangig um tieferes Verständnis. Katholische Kunstrezeption geht also vom Bauch in den Kopf, protestantische umgekehrt. Auch die Kunst selbst unterscheidet sich oft stark voneinander. Hinter protestantischer Kunst stecken häufig intellektuell äußerst durchdachte Konzepte, Verschlüsselungen und Ideen. Katholische Kunst hingegen zeigt sich bildgewaltiger, farbiger. Es geht öfter um die Darstellung der Schönheit vor allem in Gestalt des nackten Frauenkörpers. Katholische Kunst scheint üppiger, verschwenderischer zu sein, während protestantische oft auf ein Minimum der Darstellung reduziert ist. Gesammelt wird Kunst hauptsächlich in katholischen Gegenden. Im protestantischen Raum sammelt man mittlerweile auch, allerdings nicht aus Liebhaberei sondern als Geldanlage. Dieser kleine Exkurs berührt dieses Thema natürlich nur am Rande.
Zurück also zu Guido W. Baudach. Im September 2001 eröffnete er seine eigene Galerie und schaffte es prompt auf der großen Welle des deutschen Kunstmarkt-Booms mitzureiten. Das soll allerdings nicht heißen, daß Baudach quasi zufällig erfolgreich geworden wäre. Den verdienten Erfolg hat er vor allem seinem fundierten Wissen um Kunst zu verdanken und seinem Gespür für Qualität. Und seinem Credo, nur Kunst zu zeigen, die es wert ist, gezeigt zu werden, bleibt er nach wie vor treu. Man glaubt ihm ohne weiteres, ein wahrer Liebhaber der Kunst zu sein. Mühelos beantwortet er Fragen zur Kunst, zitiert fast beiläufig Hegel, Augustinus, Nietzsche und bezeichnet Berlin, die protestantisch geprägte Stadt, als eine Diaspora, was die Kunst betrifft. Ihn interessiert Kunst, die “schneidet”, wie er sagt, was soviel heißen soll wie Unruhe stiften oder am Bestehenden rütteln. Das Schöne und Wahre findet man in Baudachs Galerie eher nicht, wohl aber große, expressive und aufrüttelnde Werke, die den Betrachter in keinem Fall unbeteiligt lassen.
Sowohl im Gespräch als auch beim Stöbern im Lager der Galerie spürt man hinter der Rauhbeinigkeit Baudachs das Feinsinnige und Sensible. Er wirkt wie ein Wanderer zwischen den Welten der Kunst, des Kommerz und der Wissenschaft. Er verknüpft sein Wissen in Geschichte und Philosophie mit der zeitgenössischen Kunst und dem harten Geschäft des Verkaufs derselben – und hat Erfolg damit.
Auf die Frage hin, was Kunst kann, antwortete Baudach: “Kunst ist eine mächtige Waffe und im besten Fall ein scharfes Schwert.”
In diesem Sinne viel Freude beim Interview mit Guido W. Baudach.
Daniela Krien
Vertretene Künstler der Galerie Guido W. Baudach:
André Butzer, Björn Dahlem, Thilo Heinzmann, Thomas Helbig, Andreas Hofer, Erwin Kneihsl, Bjarne Melgaard, Markus Selg, Thomas Zipp.
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