Kommentar: Der Konsument

21. March 2007

kalb_grahl.jpg

Goldenes Kalb. Bronze. Andreas Grahl.

Unsere Warenwelt hält uns Werbebilder vor Augen, die uns suggerieren, das jeder “schön” sein kann, jeder ein “Star” sein kann. Der Großteil der Menschen ist jetzt in diesen Warenwelten gefangen, da sie nichts mehr entgegensetzen können. Sie irrlichtern durch die Regale, durch die Webseiten der pornografischen Verheißungen, der Träume des Starseins. Einsam und unbefriedigt, unfähig noch einen Menschen zu berühren, sogar ängstlich vor einem tieferen Gespräch, suchen sie in ihrem ganzen amorphen Zustand nach einem Glück, welches ihnen die Warenwelt vorgaukelt, aber niemals zur Gänze befriedigt, befriedigen kann, befriedigen will.

So ist dieser Konsument, eingeklemmt in seinen tiefsten Sehnsüchten, ausgebeutet von den Marketingstrategen und Einflüsterern, den cleveren Produktherstellern, unfähig ein eigenes Leben zu führen. Da die kleinste Zelle, die Familie, zerknackt wurde, und man dadurch atomisierte Menschen erhalten hat, ist der willfährige Konsument entstanden. Es gibt keinen besseren Konsumenten, als den unglücklichen. Der Mensch, der außerhalb der Waren- und Dienstleistungswelt glücklich sein kann, oder zumindest zufrieden, der ist ein schlechter Konsument. Das Trommeln des Marktes wird lauter, die Verkaufszeiten werden länger, die Aufregung der Menschen wird größer.

Somit kann man dem sicheren und starken Menschen nur raten: Finde die Gleichgesinnten, halte die Ruhe in Dir und versuche Dich den Glücksverheißungen der Marktstrategen zu entziehen. Lebe möglichst unaufgeregt und halte deine Würde und Seele in Ehren.

Denn wir leben in einem psychologischen Zeitalter und die Würde des Menschen ist auch in unserem Land antastbar geworden.

Christian Klinger

VN:F [1.7.9_1023]
Rating: 0.0/8 (0 votes cast)

  • Share/Bookmark

LINE OF BEAUTY AND GRACE

A documentary about Jock Sturges


amadelio

About the film

Watch the trailer

Buy the DVD



Interview: Gesellschaft, Interview: Kunst und Kultur, Interview: Liebe und Leben, Interview: Politik, Interview: Staatstätigkeit, Interview: Wirtschaft, Kommentar | Kommentare | Trackback Zum Seitenbeginn springen

2 Kommentare zu “Kommentar: Der Konsument”

  1. 01

    Etwas melodramatisch. Gerne pflichte ich dem Teil Wahrheit bei, der hier drin steckt. Aber neu ist es nicht. Vor fast 100 Jahren wurde von N. Berdyaev genau jenes vorausgesagt was heute unser Schicksal ist: der Mensch ist Sklave seiner selbst.
    Und seine Würde legt er nur offen, indem er sie selbst zu antastbarbarer Ware macht…
    gruß!

    UN:F [1.7.9_1023]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    ecceHomo am 20. June 2007 um 19:39
    Zum Seitenbeginn springen
  2. 02

    Ich glaube auch es ist dramatisch, -melo. Manchmal in der späten Nacht, wenn die Menschen schon schlafen und ich noch immer die Welt in mir wälze, platzt mir von Zeit zu Zeit mein Herz und dann muß ich in meiner Sprache dieser Welt meine kleinen Worte entgegen halten. Es ist eben einiges doch im Argen.

    Und die Würde des Menschen! Die Würde einiger Menschen ist antastbar geworden, da sie nicht die Kraft haben den Verlockungen zu wiederstehen. Sie sind zu schwach. Natürlich kann man sagen es sei nicht so entscheidend, – wir betrachten das mal ganz evolutionistisch.

    Aber ich gaube, man sollte die Schwächeren eben doch vor dem einen oder anderen bewahren….

    Dies ist aber sicher eine Utopie….

    Christian E. Klinger

    UA:F [1.7.9_1023]
    Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
    Daniela Krien am 26. June 2007 um 15:36
    Zum Seitenbeginn springen

Kommentar schreiben

  •  
  •  
  •  

Verfolge neue Kommentare zu diesem Beitrag mit diesem Kommentar-Feed.

Interviews mit Fotografen, freien Geistern …