Vlog, Videoblog: Ariadne von Schirach : Porno und Sex, Liebe und Zärtlichkeit
27. March 2007

Interview mit Ariadne von Schirach (Quicktime-Video)
Ariadne von Schirach: Porno und Liebe, Sex und Zärtlichkeit
Die bildliche Darstellung des Geschlechtsaktes hat es schon immer gegeben. Menschheitsgeschichtlich relativ neu dagegen sind pornographische Bewegtbilder, Pornofilme also. Mittlerweile erscheinen jeden Monat circa 500 neue Pornofilme. Das Angebot ist extrem unübersichtlich, aber man kann sagen: es gibt nichts, was es nicht gibt:
Auch die Zugänglichkeit zu Pornos hat sich enorm geändert. Durch die massenhafte Verbreitung des Internet, kann heute jeder Jugendliche nach Lust und Laune Pornos gucken. Kurz: die Gesellschaft wird pornographisiert. Nun gibt es ein Buch zu diesem Thema. Die Autorin heißt Ariadne von Schirach und der Titel des Buchs lautet: Der Tanz um die Lust.
Im Tanz um die Lust geht es kurz zusammengefasst um Pornographie und darum, wie selbige unsere Gesellschaft beeinflusst. Die Sprache, die Ariadne von Schirach verwendet, ist oft ebenso brutal, wie es manche Pornos sind. Ob bewußt oder unbewußt eingesetzt, bestimmte Formulierungen oder Wörter hätte es wohl nicht gebraucht, um das Thema zu besprechen. Und auch typische Jugendwörter wie “hip”, “cool”, “geil” scheinen mir einer studierten Philosophin nicht angemessen zu sein, zumal sie es nicht nötig hätte. Denn das Buch steckt voller scharfsichtiger Beobachtungen und kluger Thesen und am Ende, im letzten Kapitel, gibt es einen Ausblick voller Hoffnung, den einzigen Ausweg aus der pornographisierten Welt gleichzeitig: die Liebe. Zwar bleibt Ariadne von Schirach an diesem Punkt diffus und spricht recht allgemein von der Liebe zu sich selbst und allen anderen, aber immerhin, es geht um die Liebe.
Es ist gut, dass eine Frau dieses Buch geschrieben hat, da Frauen häufig dazu neigen, sich, wenn es um das Thema Pornographie geht, despektierlich abzuwenden und das Feld den Männern zu überlassen. Sicherlich ist es richtig, dass Pornos hauptsächlich von Männern produziert und konsumiert werden, aber ebenso sicher ist, dass die Bilder auch bei Frauen Erregung hervorrufen. Und es ist höchst bigott von den Frauen, zu behaupten, nur angeekelt zu sein vom Pornographischen.
Die meisten Pornos allerdings lassen den (weiblichen) Zuschauer schon mit einem gewissen Ekelgefühl zurück. Das liegt wohl an der mangelnden Handlung, mangelnden Zärtlichkeit, mangelnden Persönlichkeit der Darsteller. Geschlechtsteile in Großaufnahme und Verspritzen bestimmter Körperflüssigkeiten löst vielleicht, nahezu wider den eigenen Willen, eine kurze Erregung hervor, hinterlässt aber eben auch eine Traurigkeit oder Melancholie. Auf diese Weise möchte man Menschen nicht betrachten. Es fehlt der Respekt, das Aufrechterhalten der menschlichen Würde in diesen Filmen. Das ist die Aufgabe des „guten Pornos“. Im „guten Porno“ soll es eine Handlung geben, Verführung, Erotik, natürlich Sex, und auch der Mann soll mal ganz zu sehen sein, nicht immer nur sein Penis. Das klingt einfach, warum aber macht es keiner oder zu Wenige? Weil die Männer, die Hauptkonsumenten, nicht daran interessiert sind und die Frauen als Konsumentinnen erst „aufgesperrt“ werden müssen? Wahrscheinlich müssten Frauen diese Filme drehen und Frauen diese Filme bewerben und verkaufen. Dazu müssten sie sich jedoch vorher eingestehen, dass auch sie Pornos sehen möchten. Das wiederum kann nur geschehen, wenn Frauen vollkommen offen mit ihrer Sexualität umgehen würden, wenn sie ihre Lust als schön und natürlich ansehen würden. An diesem Punkt der Menschheitsentwicklung sind wir (noch?) nicht angelangt. Über unserem abendländischen, christlich geprägten Kulturkreis schwebt Maria, die Reine, die Jungfräuliche, die ein Kind gebar ohne es „schmutzig“ zu empfangen. Und Männer wie Frauen haben tief in sich ein Bild von der Frau, das sich an ebenjener Reinheit orientiert, wenn auch in abgeschwächter Ausprägung im Vergleich zu früheren Zeiten.
Noch einmal zurück zum Buch, indem es von Porno und Frauen und Männern, die vor lauter narzisstischer Selbstbezüglichkeit keinen Sex mehr haben, nur so wimmelt. Ariadne von Schirach beschreibt ein allgegenwärtiges Phänomen und sie weiß ziemlich genau darüber Bescheid. Das liegt wohl daran, dass sie ihr Buch aus ihren persönlichen Erfahrungen speist und dem Geschriebenen so eine große Authentizität verleiht. Man glaubt ihr all die anschaulichen Anekdoten und ist schockiert und berührt von der offensichtlichen Einsamkeit, an der viele der jungen, schönen Clubbesucher und Auto-Erotiker leiden müssen. Fast ist man geneigt, ganz und gar kulturpessimistisch, an eine Endzeitdekadenz zu glauben, da diese durchgestylten Menschen sich nicht vermehren. Überall ist Sex, aber nur als Bild oder als Sonderform der abseitigen Selbstbefriedigung und demzufolge bleibt er folgenlos: ohne Kinder also. Dennoch haben sie alle eine Hoffnung – die Hoffnung auf die Liebe und wie jeder weiß: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Daniela Krien
LINE OF BEAUTY AND GRACE
A documentary about Jock Sturges
About the film
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10 Kommentare zu “Vlog, Videoblog: Ariadne von Schirach : Porno und Sex, Liebe und Zärtlichkeit”
01
3. Januar
Spät erwacht
und gedacht:
Noch etwas liegen bleiben
Und dann über das liegen bleiben
schreiben.
4. Januar
Zu lange liegen geblieben
und nichts über das liegen bleiben geschrieben
5. Januar
Abends nette leute getroffen,
mitgegangen, mitgesoffen,
frühmorgens nach Hause gewankt
und dem Schicksal gedankt.
(Keine Ahnung wofür.)
02
Aua.
03
[...] Gestern kommentierte er also ein Interview mit Ariadne von Schirach auf amadelio’vlog. Dass sie arrogant ist, schreibt er nicht ins Internet, denken tut er es aber in jeder Zeile. Frei nach dem Motto, wenn ich schon nicht überzeugen kann, sorge ich wenigstens für Verwirrung, macht Herr Schwenzel seinem Blognamen also alle Ehre und holt sich Beifall in schleimenden Kommentaren. [...]
04
Pornographie ist Sünde!
Damit ziehen wir ein großes Gericht Gottes auf uns!
05
Es ist eine ziemlich lehre interview! Nie erzählt sie uns was diese “gegensatz zu porno” sein soll. Sehr entaushend!
06
Dieses Interview ist erfrischend.
Ariadne rennt offene Türen ein, sagt richtiges aber nichts neues und es macht wirklich Spaß zuzuhören.
Sich noch so schön über “gotterbärmliche Trivialität” aufregen zu können und das in diesem herrlichen Tonfall- das würde ich auch gern können.
Von Ariadne lass ich mir gern ein Ohr abkauen. Das Thema sei freigestellt- ich bin sicher, sie hat zu vielem was zu sagen.
Weiter so, Christian!!!
07
Ariadne von Schirach sagt Triviales in selbstgefälligem Tonfall.
08
[...] kommentierte er also ein Interview mit Ariadne von Schirach auf amadelio’vlog. Dass sie arrogant ist, schreibt er nicht ins [...]
09
Ich finde es schon mal gut, dass wer Widersprüche wie Subjektivität vs. Kaptalismus auf die Pornographie anwendet, unprüde, frisch und eben subjektiv. Und noch dazu anscheinend ne Ahnung hat! Würde ich gerne mal kennen lernen…
10
Sicher polarisiert das Thema Porno und Sexfilm die Gesellschaft. Dennoch, die es mögen, haben meiner Meinung nach mehr vom Leben. Lust, auch wenn sie ein wenig stimuliert wird, ist doch unumstritten eine Quelle der Freude und der Lebenskraft. Jeder dard natürlich denken, was er will. Abzulehnen sind nur diejenigen, die mit doppelter Moral, dagegen Reden und den Schrank voller Filme haben.
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