Vlog, Videoblog: Die Kunst der Fotografie: Mona Breede
14. May 2007
Feature über Mona Breede (Quicktime-Video)
Die Kunst der Fotografie
Ist Fotografie Kunst? Warum sollte das mechanische Aufzeichnen von Lichtbildern denn Kunst sein? Diese Frage bewegt jene Menschen, die sich mit Kunst auseinandersetzen schon seit den ersten Anfängen der Fotografie. Im Jahr 1856 verfaßte C. R. Wigand eine Abhandlung „Über den Kunstwerth eines photographischen Porträts“ und beklagte darin den Mangel an Geist und Leben in den Bildern. So schreibt er darin: „Die vielen Tausende von Porträten, welche diese Eigenschaften mangeln, zeigen, dass nicht die Photographie an diesen Mängeln Ursache ist, sondern der Photograph selbst – es ist nun an der Zeit, mit Geist zu arbeiten, um dem Publikum den Unterschied kennen zu lehren.“ Das heißt nichts anderes, als dass Fotografie durchaus Kunst sein kann, wenn es ihr gelingt, Bilder zu schaffen, die berühren, entweder den Verstand oder das Gefühl – am besten natürlich beides. Und nicht das Medium ist entscheidend, sondern der Künstler. Nicht die Kamera schafft das Kunstwerk, sondern der Fotograf, mit all seinen Gedanken, Ideen und Erfahrungen. Oder mit den Worten Man Rays: „Es ist der Mensch, welches Medium er auch immer benutzt, der das Kunstwerk zum Kunstwerk werden lässt.“

Mona Breede. Life Line. 2006.
Das Medium Fotografie hat sich verändert. Die digitale Fotografie und die Möglichkeit der digitalen Bearbeitung eines jeden gescannten Bildes sind auf dem Vormarsch und wie immer, wenn ein neues Medium auftaucht, löst es das alte nicht ab, sorgt wohl aber für eine Veränderung im Umgang mit dem alten. Viele Kunstfotografen unserer Zeit sehen Fotografien nur noch als Rohmaterial für die digitale Weiterverarbeitung. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Bilder können ineinander und miteinander montiert werden, Farben und Kontraste können per Mausklick verändert werden, die Verifizierung der Geschehnisse in der Welt durch die Fotografie ist weitestgehend aus den Angeln gehoben. Man kann den Bildern im dokumentarischen Sinne nicht mehr glauben. Während also die herkömmliche Fotografie quasi als Zeuge für einen Moment der Geschichte auftrat, etwas festhielt, mit allen Details, einen Augenblick einfror, wie er nie mehr wieder kommt, sind mit der Einführung der digitalen Bildbearbeitungsprogramme diese Grenzen aufgehoben. Das fotografische Bild besitzt keine Beweiskraft mehr.

Mona Breede. Shoot what you love. 2004.
Man könnte es auch so sehen, dass die Fotografen, die sich der neuen Techniken bedienen, auf ganz neue Weise gefordert sind. Sobald sie die Technik beherrschen, ist die Fähigkeit zum künstlerischen Gestalten gefragt. Um ein Bild per Retouche oder Montage zu gestalten, muß der Künstler komponieren können und im Prinzip einen uralten kreativen Schaffensakt vollziehen. So neu auch die Technik ist, die künstlerischen Fähigkeiten ersetzt sie sicher nicht. „Die Kamera ist mein Pinsel“, sagte Cindy Sherman dazu.
In Berlin trafen wir die Künstlerin Mona Breede. Ihre Bilder zeigen vor allem Stadtlandschaften mit Menschen darin. Menschen, die tatsächlich dort waren und Menschen, die sie hineinmontiert hat, vor Architektur, die wirklich so aussieht und vor Architektur, die sie nach den Regeln der Bildgestaltung entsprechend verändert hat. Ihre Bilder lügen und sprechen die Wahrheit. Menschen vor überdimensionalen, monströs wirkenden Werbeplakaten gibt es natürlich, wenn auch nicht so, wie Mona Breede sie zeigt. Aber so, wie sie es zeigt, ist es schön und berührend. Selbst diese kleinen Menschen vor großen Bauwerken strahlen noch eine Individualität und Persönlichkeit aus. Und weil Mona Breedes Menschen keine gesichtslosen Massenmenschen sind, lassen ihre Bilder, trotz aller Kälte, welche von der städtischen Architektur teils ausgeht, den Betrachter dennoch nicht bedrückt und hoffnungslos zurück. Man verlässt diese Bilder mit dem Gefühl der Mögichkeit, in einer postmodernen Zeit zu leben, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
Daniela Krien
Die Website von Mona Breede: Klick!
Wichtige Vertreter der fotografischen Strömung:
Immer empfehlenswert ist Susan Sontag, um einen ersten Überblick zu gewinnen:
LINE OF BEAUTY AND GRACE
A documentary about Jock Sturges
About the film
Watch the trailer
Buy the DVD








Ein Kommentar zu “Vlog, Videoblog: Die Kunst der Fotografie: Mona Breede”
01
Hallo,
ein wunderbarer Beitrag, ein wunderbares Video, ein wunderbares Interview. Vielen Dank.
Warum nur entdecke ich euch erst jetzt?! Freue mich auf alles, was es hier noch zu entdecken gibt.
Viele Grüße
jörg
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