Vlog, Videoblog: Paulus Neef und die Evolution der New Economy

21. May 2007

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Interview mit Paulus Neef (Quicktime-Video)

“Wer Neuerungen einführen will,
hat alle zu Feinden,
die aus der alten Ordnung Nutzen ziehen,
und hat nur lasche Verteidiger an all denen,
die von der neuen Ordnung Vorteile hätten.”

Niccolo Machiavelli (1649-1527)

Definition der Erfindung
Die Beschreibung des Neuheitsgehalts einer Technologie, hierbei ist nicht die Verbesserung einer bestehenden Technologie gemeint, wurde in Wissenschaftskreisen immer wieder aufs Neue unternommen. Wann gilt eine Technologie wirklich als neu und nicht als eine Verbesserung einer bestehenden Technologie? W. Brian Arthur schreibt dazu: „Eine Technologie besitzt einen Zweck, eine Kombination aus Komponenten, eine Architektur, und verkörpert ein Grundprinzip. Hierbei sei folgendes Beispiel erklärend hinzugefügt: Computer wechseln ihren Zweck allgegenwärtig, ihre Komponenten von Zeit zu Zeit, und die Architektur gelegentlich. Computer sind aber immer Computer. Eine Veränderung bei dem Zweck, den Komponenten oder der Architektur bedeuten eine modifizierte Technologie, aber nicht eine neue Technologie.“

Der Wechsel in einem Grundprinzip kann schon eher als Erfindung gelten. Das Auftauchen der Düsenflugzeuge oder des Laserdruckers waren vollkommen neue Herangehensweisen an das Fliegen und Drucken. Die Triebwerke der Düsenflugzeuge setzten an einem vollkommen neuen physikalischen Prinzip an: am Rückstoßantrieb. Man ließ also die mit hoher Geschwindigkeit ausgestoßenen Luftteilchen aus dem Düsentriebwerk auf die kalten Luftteilchen aufstoßen und somit einen Schub erzeugen, der das gesamte Fluggerät in Bewegung setzt.
Der Vorgang des Druckens durch einen Laserdrucker läßt sich mit dem Aufmalen von Buchstaben und Bildern durch einen Laserstrahl beschreiben, ein radikaler Bruch mit den festgefügten Schrifttypen des damals gängigen Zeilendruckers. Diese Beispiele verdeutlichen schon eher das im Wechsel eines Grundprinzips eine mögliche Definition der Erfindung liegt, einer radikalen neuen Technologie. So war zum Beispiel die Dampfmaschine von James Watt eine Verbesserung von etwas Vorhandenem, eben der Dampfmaschine von Thomas Newcomen, aber keine neue Erfindung. (Vgl. W. Brian Arthur, 2006)

Wie kommt eine Erfindung in die Welt

Wenn man nun auf Grund dieser Unterteilung zur Innovation vordringen kann und die Verbesserung bestehender Technologien beiseite lässt, beginnt die Fragestellung wie eine Idee oder Erfindung in die Welt kommt, an Bedeutung zu gewinnen. In der Zeit des digitalen Momentums wird von verschiedenen Seiten immer wieder betont, daß die Labore mit Erfindungen voll sind. Das größte Problem wird immer wieder in der Unübersichtlichkeit beschrieben, das zunehmend die Fähigkeit das Erkennens von verwertbaren Ideen benötigt – den sogenannten Ideenmanager. Dieser Ideenmanager benötigt kaum technische Kenntnisse sondern vielmehr die Gabe, die Menschen in seiner Umgebung zu beobachten und heraus zu finden, was sie brauchen. Er muß das intuitive Sehen und Hören beherrschen. Wenn der Schritt getan ist, die bahnbrechende Idee erkannt zu haben, so ist noch immer nicht der Vorgang beschrieben, wie diese Idee dann als Produkt in die Welt gelangt. An dieser Stelle ist es zum Vorteil, das Diffusionsmodell zur Hilfe zu nehmen.
Nach dem man aus der bahnbrechenden Idee (in der Softwarewirtschaft auch “Killer Applikation” genannt) ein Produkt geschmiedet hat, ist man zwangsläufig bei der Gruppe der Innovatoren angelangt. Diese Gruppe beschäftigt sich ausschließlich mit Neuem, ist aber in der Gesellschaft nicht in einem festen Kreis potentieller Unterstützer verankert. Somit kann man den Innovator als isolierte Figur definieren. Nach dem das Produkt diese Gruppe erfolgreich passiert hat, wird die Gruppe der Multiplikatoren relevant. Multiplikatoren sind in der Gesellschaft verankert und gelten als stilbildende “Anführer” einer Gruppe, die sogenannten Trendsetter; diese lassen Produkte zu Trends und somit zum Erfolg werden. Wenn man diese Gruppe für sein Produkt begeistern konnte, hat man eine der wichtigsten Etappen einer Erfolgsgeschichte bewältigt. Danach kommen die nicht näher zu erklärenden Gruppen early majority, dann die late majority und zu Guter Letzt die couch potatoes. Wenn dies alles geschafft ist, ist die Idee in der Welt.

Gesellschaft und Innovation

Wenn man zu Grunde legt, dass Erfindungen in diesem Lande zur Genüge in den Laboren vorhanden sind, stellt sich die Frage nach der mangelnden Umsetzung. Aus den unterrichteten Kreisen hört man immer wieder von der „krakenhaften Bürokratie“, der fehlenden innovativen Milieus (die Start-up Wettbewerbe gelten als innovationsfeindlich, da sich dort zum großen Teil nur Vertreter der beratenden Berufe aufhalten) und den ängstlichen Investoren, die am liebsten in bereits funktionierende Firmen investieren. Von den Wagniskapitalgebern ist oft aber auch zu hören, dass den Absolventen der hiesigen Universitäten die unternehmerischen Fähigkeiten abgehen. Wenn man den voran zitierten Satz von Niccolo Machiavelli der Innovationswirtschaft zu Grunde legt, so wird manchem bewußt, warum sich Europa im Gesamten und Deutschland im Besonderen bei den neuen Produkten so schwer tun: Europa hat in einer jahrhundertelangen Auswanderungswelle die innovativen Köpfe an Amerika abgegeben und verliert derzeit wieder verstärkt die besten Leute. Es sind immer die Farmer, die Siedler, die Gauner und die Entdecker, die sich in neue Welten vorwagen. Somit ist zum derzeitigen Punkt der Geschichte Deutschland nicht nur im demografischen Sinne ein kränkelndes Land.

Die Lippenbekenntnisse der politisch Verantwortlichen, die fehlenden Eliten, die den schöpferischen Unternehmer vorleben sind die tieferen Ursachen, für die seltenen Erfolgsgeschichten aus dem Innovationsbereich.

Wir haben den schöpferischen Unternehmer Paulus Neef in seiner neuen Unternehmung Neva Media GmbH besucht und ein Gespräch über Innovation, Amerika und Weblogs geführt.

Film ab!

Christian E. Klinger
Quellen: W. Brian Arthur: Stucture of invention

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