Vlog, Videoblog: Prof. Klaus Honnef: Andreas Gursky und Bernd und Hilla Becher

11. June 2007

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Interview mit Prof. Klaus Honnef (Quicktime-Video)

Interview mit Prof. Klaus Honnef (Flash-Video-XL)

Bernd und Hilla Becher

Die wohl einflussreichsten Lehrer und gleichzeitig Künstler auf dem Gebiet der Fotografie waren und sind in Deutschland das Ehepaar Bernd und Hilla Becher. Man nennt sie wie selbstverständlich als Einheit und tatsächlich arbeitet das Paar nun schon seit über 40 Jahren gemeinsam an ihren Bildern von Industriegebäuden. Mit ihnen begann die Geschichte der deutschen Kunstfotografie erneut.
Ihre Kunst gilt als konzeptuelle Kunst und eines der zugrunde liegenden Konzepte ist die Erstellung von Typologien. Das bedeutet, jede Industrieanlage bzw. jeder Bau wird nicht nur einmal, sondern mehrmals aus verschiedenen, vorher festgelegten Winkeln fotografiert. So entstehen Sammlungen an Bildern über ein Thema, die an die Herangehensweise von August Sander erinnern, nur dass es sich bei den Bechers um spezielle Objekte der Industriegeschichte und nicht um Menschen handelt.

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Bernd und Hilla Becher. Water Towers. 1999.

Die Sammlung dieser Fotografien ist einzigartig und tatsächlich ist auch das Sammeln eine Leidenschaft der Bechers. In einem Interview mit dem WDR sagte Bernd Becher, dass er plane, die Bilderserie der Getreidesilos zu komplettieren, insofern dies möglich ist. Aber nicht nur die gewaltige Zahl der Bilder beeindruckt, sondern auch eben die Art der Fotografie. Der Stil ist immer der Gleiche: Schwarz-Weiß, das Objekt in der Mitte des Bildes – detailreich mit einer Plattenkamera aufgenommen -, der Himmel bedeckt. Diese trübe Ästhetik ist einerseits der Idee der Bechers geschuldet, keine starken Schatten abzubilden, andererseits war zu der Zeit, als sie ihre Fotografie begannen, der Himmel über den Industrieanlagen meistens ohnehin grau. Heute ist das anders und die Bechersche Fotografie somit schwieriger geworden.
Das ökonomische Denken ist es, das Bernd Becher in seinen Bildern wieder gespiegelt sieht. Diese Art Architektur gibt es auf der ganzen Welt und überall erfüllt sie dieselbe Funktion. Viele der Anlagen sind schon alt und stehen kurz vor dem Abriß, wenn sie von den Bechers fotografiert werden. „Die warten, bis ich komme. Und dann geht’s zu Ende.“, sagte Becher dem WDR. Somit sind diese Bilder gleichzeitig Dokumentation und Kunst. Auf der Biennale von Venedig (1990) gewannen sie übrigens den Leone d’Oro (Goldenen Löwen) für Skulptur.
1976 übernahm Bernd Becher in der Kunstakademie Düsseldorf eine Professur für Fotografie, allerdings lehrte das Paar gemeinsam. Die Absolventen der Becher-Klassen sind nun selbst zum Teil weltberühmt. Einige Abgänger der Becher-Klassen sind Candida Höfer, Thomas Ruff, Thomas Struth und Andreas Gursky.

Andreas Gursky

Andreas Gursky ist wohl der bekannteste Becher-Schüler. Seine Fotografien sind die teuersten unserer Zeit; die Preise bewegen sich im Millionenbereich. Die Motive seiner Bilder entsprechen der Idee einer globalisierten Welt, das Individuum verschwimmt scheinbar in der Masse des Kollektivs. Schaut man jedoch genau hin, so erkennt man noch auf einer Massenveranstaltung wie einem Rock-Konzert die charakteristischen Züge der Menschen. Gurskys monumentale Bilder haben dennoch etwas Monströses an sich. Die Perspektive des Fotografen ist oft unergründbar und somit eigentümlich unmenschlich. Dennoch sind die Bilder nicht kalt, in ihnen zeigt sich keine Verachtung gegenüber dem Menschen in der Masse; aber auch keine Überbewertung des Einzelnen. Wo also ist die Botschaft?

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Andreas Gursky. Salerno. 1990.

Und obwohl er Themen aufgreift wie Massentierhaltung, Wohnsilos oder gar den Aufmarsch der Massen in Nordkorea zu Ehren ihres Führers, enthalten Gurskys Bilder keinen – oder einen gut verborgenen – politischen Standpunkt. Vielmehr ist es so, dass er auf seinen Bildern selbst brisanteste Themen in schönes Licht taucht und ihnen am Computer den letzten Schliff verleiht. Gänzlich unpolitisch also – L’art pour l’art – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Botschaft der Fotografien von Andreas Gursky heißt also: Kunst braucht keinen Zweck. Kunst genügt sich selbst!

Prof. Klaus Honnef

Unser diesmaliger Gesprächspartner, Prof. Klaus Honnef, gilt als einer der wichtigsten deutschen Theoretiker im Bereich der künstlerischen Fotografie. Er wurde 1939 in Tilsit geboren, studierte von 1960-1965 Soziologie und Geschichte in Köln und begann schon früh für verschiedene Zeitungen zu schreiben – als Kritiker für Kunst, Theater und Film, aber auch als Sportjournalist. Gegen Ende der 60er Jahre organisierte er erste Ausstellungen und im Laufe der nächsten Jahrzehnte sollten viele folgen. Honnef organisierte, kuratierte und schrieb, arbeitete intensiv an der 5. und 6. documenta mit und erwarb sich ein äußerst umfangreiches Wissen über die Gegenwartskunst.
Er lehrte an mehreren Universitäten und wurde 1980 zum Honorarprofessor an die Kunsthochschule Kassel berufen.
Gemeinsam mit seiner Frau Gabriele Honnef-Harling ist er heute, 68-jährig, als freier Kurator und Autor tätig. Wir trafen ihn in seinem Haus in Bonn.

Film ab!
Daniela Krien

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2 Kommentare zu “Vlog, Videoblog: Prof. Klaus Honnef: Andreas Gursky und Bernd und Hilla Becher”

  1. 01

    [...] In unserem Videoblog ist ein überaus anregendes Interview mit Prof. Klaus Honnef über Bern… [...]

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  2. 02

    [...] Hier ein sehr interessantes Interview mit dem Fotografie-Theoretiker Prof. Klaus Honnef (http://www.klaushonnef.de/): http://www.amadelio.de/vlog/2007/06/11/vlog-videoblog-prof-klaus-honnef-andreas-gursky-und-bernd-und... [...]

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