Vlog, Videoblog: Prof. Gunnar Heinsohn : Demografie, Terror und Söhne

19. June 2007

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Interview mit Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn (Quicktime-Video)

„Youth bulge“: Söhne für den Terror

An der Universität Bremen arbeitet ein Mann, der im Jahr 2003 ein Buch herausbrachte, dessen Inhalt ebenso erschütternd wie plausibel ist. Jenes Buch trägt den Titel: „Söhne und Weltmacht“ und beschäftigt sich thematisch mit dem Zusammenhang zwischen Demografie und Gewaltbereitschaft, oder zugespitzt formuliert – mit dem sich weltweit ausbreitenden Terror.
Der Autor dieses erstaunlichen Buches ist Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Jahrgang 1943, Professor an der Universität Bremen und dort Sprecher des Raphael-Lemkin-Instituts für Xenophobie- und Genozidforschung. Er studierte Soziologie, Psychologie, Geschichte, Ökonomie, Publizistik und Religionswissenschaft und ist als Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler promoviert.
„Söhne und Weltmacht“ ist keineswegs Heinsohns einzige herausragende Publikation, es gibt derer viele und alle sind es wert, eingehend besprochen zu werden, denn seine Thesen und Theorien sind oft nicht nur neu, sondern auch bestechend einfach und hervorragend belegt.
In diesem Beitrag soll es allerdings ausschließlich um die Erklärung des Terrors mit Hilfe des Phänomens „youth bulge“ gehen, das Heinsohn in „Söhne und Weltmacht“ beschreibt.

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Jacek Malczewski. Melancholia. 1894.

Zunächst eine kurze Erklärung des Begriffs „Youth Bulge“:
Diese Bezeichnung bedeutet kurz gefasst die überproportionale Ausstülpung der Alterspyramide bei den 15-29-Jährigen. Eine Gefahr entsteht laut Heinsohn dann, wenn der Anteil dieser Gruppe an der männlichen Gesamtbevölkerung 30 % überschreitet, das heißt, wenn 30 % der Männer eines Landes zwischen 15 und 29 Jahren alt sind. Wenn diese Bevölkerungsgruppe nicht unter Hunger leidet, entsteht ein Problem hinsichtlich der beruflichen Chancen dieser jungen Männer. Viele von ihnen sind zweite, dritte und vierte Söhne, und ihr Streben nach gesellschaftlichen Positionen hohen Ansehens ist groß, kann aber nicht befriedigt werden, da es, schon besetzt von den ersten Söhnen, nicht genügend solcher Stellungen gibt. Dieser Umstand schafft Aggressionen und letztlich Gewalt.

Typische „youth bulge“-Länder sind Pakistan, Bangladesch, Kongo, Iran, Irak, Sudan oder Afghanistan. Die Liste wäre leicht fortzusetzen, aber auch jetzt wird schon deutlich, was diesen Ländern gemeinsam ist: gewalttätige Ausschreitungen, Bürgerkriege, Kriege, Genozid.
Diese Zahlen müssten, zumal sie schon seit Jahren bekannt sind, eigentlich aufrütteln und auch politisch zu einem dramatischen Umdenken führen. Nichts dergleichen jedoch geschieht, jedenfalls nicht in Europa. Noch einmal eine Zahl, die drastisch veranschaulicht, was Heinsohn meint: Schon im Jahr 2003 lag der Kinderanteil der weniger entwickelten Welt bei 36 %. In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt das: von 3,8 Milliarden Menschen waren 1,4 Milliarden Kinder; zukünftiger „youth bulge“ also.
Geht man davon aus, dass mehr als die Hälfte davon männlich ist (denn in einigen Ländern praktizierter Mädcheninfantizid sorgt dafür, dass mehr Jungen überleben), bleiben noch immer 0,7 Milliarden. Diesen heranwachsenden und später kampfbereiten jungen Männern, die, wenn sie nicht erste Söhne sind, bezüglich einer guten Stellung quasi chancenlos sind, haben die europäischen Staaten im Falle einer Auseinandersetzung nichts entgegenzusetzen. Unsere wenigen, meist einzigen Söhne stehen rein zahlenmäßig einer starken Macht gegenüber (ein Verhältnis von 3:1 wird angenommen), ganz davon abgesehen, dass sie, aufgrund einer extrem pazifistischen Prägung und Grundhaltung, ohnehin zu keinem Kampf fähig und bereit wären.
Die Amerikaner dagegen sind zahlenmäßig zwar ebenfalls unterlegen, haben aber bereits über alternative Lösungen nachgedacht und gehandelt. Die Investition in ein flächendeckendes Raketen-Abwehrschild über den USA war eine vorausschauende Tat.

Deutschland dagegen, ein vergreisendes und schrumpfendes Land, verfügt weder über Kämpfer, noch über ausreichend Waffen, noch über Waffenabwehrsysteme. Sollte es zu einer Kampfhandlung ausgehend von einer oder mehrerer der islamischen „youth-bulge“-Nationen kommen, wäre Deutschland im Prinzip schutzlos ausgeliefert.
Um nun der möglicherweise entstehenden Angst entgegenzuwirken, muß man aber betonen, dass die meisten Kämpfe bisher in den Ländern selbst, seltener länderübergreifend und nur in einigen Fällen kontinental ausgetragen wurden (dazu zählen auch die Angriffe auf das World Trade Center). Das heißt, der „youth bulge“ eines Landes dezimiert sich in der Regel selbst, indem er sich in rivalisierende Gruppen teilt und gegeneinander kämpft. Also keine Gefahr für Europa? Keiner weiß es genau, denn die kritische Zeit beginnt erst und womöglich reicht die Kraft dieser wütenden jungen Männer aus, um die Kämpfe auszuweiten. In den nächsten Jahren wird ein Großteil der „children bulges“ ins „youth bulge“-Alter kommen, das heißt, das traditionelle Kampfalter von 15 Jahren erreichen. Dann wird man mehr wissen. Die größte, gefährlichste Welle wird, so Heinsohn, in den 2020er Jahren abebben, da dann der muslimische „youth bulge“ schrumpfen wird. Bis dahin also müssen wir „durchhalten“.

Der SPIEGEL übrigens entdeckte Heinsohns Buch immerhin zwei Jahre nach Erscheinen (es wurde allerdings nur kurz erwähnt und nicht ausführlich rezensiert), während der deutsche Geheimdienst drei Jahre später um ein Gespräch bat. Angesichts solcher Schneckenleistungen fragt man sich: Was eigentlich weiß unsere Regierung über diese Problematik? Bereitet sich Deutschland in irgendeiner Weise vor? Oder gibt es vielleicht einen sorgfältig gehüteten, geheimen Plan? Sollte Heinsohn Recht behalten, bleibt letzteres zu hoffen.

Das Interview mit Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn senden wir aus Gründen des Umfangs in zwei Teilen. Im ersten Teil geht es um den Irak-Krieg, um Deutschlands Position in dieser Frage und um verschiedene Vorwürfe an die USA und Präsident Bush hinsichtlich der Vorgehensweise gegen den Terror.

Film ab!

Daniela Krien

Das Buch “Weltmacht und Söhne” als kostenfreier PDF-Download!

Buchempfehlungen:

Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn’s wissenschaftlicher Schwerpunkt, Theorie und Geschichte der Zivilisation, enthält die Untergebiete:

(i) Demographie, Familie und Erziehung,

(ii) Wirtschaft,

(iii) Religion,

(iv) Großtötungen und

(v) Chronologie.

Dazu liegen folgende Hauptstudien vor:

(1) Vorschulerziehung in der bürgerlichen Gesellschaft [1991] (Frankfurt am Main: S. Fischer 19742);

(2) Theorie des Kindergartens und der Spielpädagogik (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1975, mit B.M.C. Knieper);

(3) Theorie des Familienrechts: Geschlechtsrollenaufhebung, Kindesvernachlässigung, Geburtenrückgang [1974] (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1976, mit R. Knieper);

(4) Theorie des Tötungsverbotes (als Heft 7 von L`invitation au voyage zu Alfred Sohn-Rethel (Festschrift zum 80. Geburtstag), Bremen: Wassmann, 1979);

(5) The Bancruptcy of the Economics of Population: Why Econo-mists Have Failed to Develop an Economic Theory of the Production of Human Beings, (Universität Bremen: Forschungsgruppe ‘Postkeynesianische Ökonomie’, als Diskussionsbeiträge zur Politischen Ökonomie, Nr. 21, 1979, mit O. Steiger);

(6) Menschenproduktion: Allgemeine Bevölkerungstheorie der Neuzeit (Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1979, mit R. Knieper u. O. Steiger);

(7) Das Kibbuz-Modell: Bestandsaufnahme einer alternativen Wirtschafts- und Lebensform nach sieben Jahrzehnten (Hg., Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1982);

(8) Privateigentum, Patriarchat, Geldwirtschaft: Eine sozialtheoretische Rekonstruktion zur Antike (Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984);

(9) Nullpunkt Abraham: Abraham und die Chronologien Mesopotamiens und Ägyptens (Basel: PAF, 1987);

(10) Was ist Antisemitismus? – Der Ursprung von Monotheismus und Judenhaß. – Warum Antizionismus? (Frankfurt am Main: Eichborn, 1988);

(11) Die Sumerer gab es nicht: Von den Phantom-Imperien der Lehrbücher zur wirklichen Epochenabfolge in der “Zivilisationswiege” Südmesopotamien (Frankfurt am Main: Eich-born, 1988);

(12) Die Vernichtung der weisen Frauen: Beiträge zur Theorie und Geschichte von Bevölkerung und Kindheit (München: Heyne [Erstausgabe Herbstein: März; 1985], 19893, 19944, Neuausgabe 2005, mit O. Stei-ger);

(13) Wann lebten die Pharaonen? Archäologische und technologische Grundlagen für eine Neuschreibung der Geschichte Ägyptens und der übrigen Welt (Frankfurt am Main: Eichborn 1990, mit H. Illig; stark erweiterte Neuausgabe 1997 bei Mantis, Gräfelfing);

(14) Wie alt ist das Menschengeschlecht? (Gräfelfing: Mantis, 1991; Neuausgabe 1996 mit Untertitel Stratigraphische Grundlegung der Paläoanthropologie und Vorgeschichte);

(15) Perserherrscher gleich Assyrerkönige? Assyrien ist auch in seiner persischen Blütezeit nicht ohne Schrift und Städte (Gräfelfing: Mantis, 1992; stark erweiterte Neuausgabe: Assyrerkönige gleich Perserherrscher! Die Assyrienfunde bestätigen das Achämenidenreich, Gräfelfing: Mantis, 1996);

(16) Wer herrschte im Industal? Die wiedergefundenen Imperien der Meder und der Perser (Gräfelfing: Mantis, 1993; Nachdruck 1997);

(17) Warum Auschwitz? Hitlers Plan und die Ratlosigkeit der Nachwelt (Reinbek: Rowohlt, 1995);

(18) Eigentum, Zins und Geld: Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft (Reinbek: Rowohlt, 1996, mit O. Stei-ger; 4. Auflage Marburg: Metropolis 2006);

(19) Was wollte Hitler? Auschwitz und die Lehre von den drei Weltzeitaltern (Universität Bremen: Raphael-Lemkin-Institut für Xenophobie- und Genozidforschung / Schriftenreihe Bd. 2, 1996);

(20) Inflation and Witchcraft or the Birth of Political Economy: The Case of Jean Bodin Reconsidered (Universität Bremen: Institut für Konjunktur und Strukturforschung, als IKSF Discussion Paper, Nr. 8, 1997, mit O. Steiger);

(21) Anfang und Ende des Klimawahns (St. Gallen: Managementzentrum [MZSG], 1997);

(22) Kontroversen der Geldentstehung: Streit um die Anfänge des Geldes (Universität Bremen: Institut für Konjunktur und Strukturforschung, als IKSF Discussion Paper, Nr. 11, 1997, mit O. Steiger);

(23) Post-Genocidal Reconciliation in Rwanda: Are There Lessons from Germany? (Universität Bremen: Raphael-Lemkin-Institut für Xenophobie- und Genozidforschung / Schriftenreihe Bd. 3, 1997);

(24) Die Erschaffung der Götter: Das Opfer als Ursprung der Religion (Reinbek: Rowohlt, 1997);

(25) GULag und Auschwitz: Ein Wort zur Klärung der Differenz (Universität Bremen: Raphael-Lemkin-Institut für Xenophobie- und Genozidforschung / Schriftenreihe Bd. 6, 1998);

(26) Why Was the Holocaust Different from All Other Genocides? (Universität Bremen: Raphael-Lemkin-Institut für Xenophobie- und Genozidforschung / Schriftenreihe Bd. 7, 1998);

(27) Lexikon der Völkermorde [1998] (Reinbek: Rowohlt, 19992);

(28) Das Eurosystem und die Verletzung der Zentralbankregeln: Was man darüber wissen muß und was dazu gerne verschwiegen wird (St. Gallen: Managementzentrum [MZSG], 2000, Mitautor: O. Steiger);

(29) Völkermordfrühwarnung/Genocide Watch (Universität Bremen: Raphael-Lemkin-Institut für Xenophobie- und Genozidforschung / Schriftenreihe Bd. 8, 2000);

(30) Geld und Zins: Gemeinverständliche Grundlegung der Wirtschaftstheorie (St. Gallen: Managementzentrum [MZSG], 2001);

(31) Jüdische Sklavenarbeiter Hitlerdeutschlands (Universität Bremen: Raphael-Lemkin-Institut für Xenophobie- und Genozidforschung / Schriftenreihe Bd. 9, 2001);

(32) Eigentum, Zins und Geld: Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaft. Zweite, durchgesehene Auflage (Marburg: Metropolis, 2004 [3. Auflage], mit O. Steiger; englische Neufassung bei Routledge [London] 2007);

(33) Eigentumstheorie des Wirtschaftens versus Wirtschaftstheorie ohne Eigentum: Ergänzungsband zur Neuauflage von „Eigentum, Zins und Geld“ (Marburg: Metropolis, 2002, mit O. Stei-ger);

(34) Söhne und Weltmacht: Terror im Aufstieg und Fall der Nationen (Zürich: Orrell & Füssli, 2003; 8. Auflage 2006);

(35) Anti-Semitism and Anti-Zionism in Europe: Germany 2004 (International Psychoanalytical Association (IPA): 43rd International Congress, New Orleans, USA, 10th -14th March 2004);

(36) Eigentumsökonomik (Marburg: Metropolis, 2006, mit O. Stei-ger);

(37) Warum gibt es Märkte? (St. Gallen: Malik Management Zentrum, 2006).

(38) Die Wiederherstellung der Alten Geschichte: Vorrede zur Neuausgabe von „Die Sumerer gab es nicht“ nach zwanzig Jahren (München-Gräfelfing, 2007).

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4 Kommentare zu “Vlog, Videoblog: Prof. Gunnar Heinsohn : Demografie, Terror und Söhne”

  1. 01

    Sehr interessantes Interview. Bin gespannt auf den zweiten Teil.

    Sicher beleuchetet Heinsohns Theorie nicht den gesamten Hintergrund des Terrorismus. Dennoch ist seine These in ihrer Einfacheit faszinierend plausibel. Trotzdem hier noch ein paar Fragen: Welche Position unter den bevölkerungsreichen Ländern nimmt Indien ein? Hat ein starkes Wirtschaftswachstum und bietet deshalb vielen jungen Menschen mehr Chancen als z.B. das Nachbarland Pakistan? Und welches Konfliktpotential bildet in einem Land wie Israel das starke Wachstum besonders einer Bevölkerungsgruppe (die orthodoxen Juden)?

    An dieser Stelle noch: großes Kompliment an euch. Ihr werdet immer besser. Ich schaue immer wieder gern bei euch rein.

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    Manuela Scmidt am 26. June 2007 um 14:55
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  2. 02

    [...] Gewaltbereitschaft oder zugespitzt formuliert – mit dem sich weltweit ausbreitenden Terror.  Fra Amadelio videoblog  (vi arbejder på at den ikke  starter [...]

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  3. 03

    Hier noch ein paar sehr interessante Kommentar auf dem sehr geschätzten Blog PI-News (politically incorrect):

    http://www.pi-news.net/2008/07/gunnar-heinsohn-bei-amadelio/

    Mit besten Grüßen

    Christian E. Klinger

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    Daniela Krien am 18. August 2008 um 10:13
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  4. 04

    Und noch ein interessantes Interview mit Prof. Gunnar Heinsohn:

    http://www.sappho.dk/Nr.%206%20maj%202007/kontinent-english.html

    Christian E. Klinger

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    Daniela Krien am 18. August 2008 um 10:16
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