Vlog, Videoblog: Jean-Christophe Ammann: Ein Leben für die Kunst

3. October 2007

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Interview mit Jean-Christophe Ammann (Quicktime-Video)

Ein Leben für die Kunst

Der Schweizer Kunsthistoriker und Kurator Jean-Christophe Ammann ist einer der wichtigsten Kunsttheoretiker hierzulande. Der 68-Jährige war vielerorts und gleichermaßen vielfältig tätig. In den 70ern leitete er das Kunstmuseum Luzern und war 1971 Schweizer Kommissar für die Biennale Paris. Er war Mitorganisator der documenta 5. Von 1978 bis 1988 leitete er die Kunsthalle Basel, von 1989 bis 2002 war er Direktor des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. Während dieser Zeit agierte er auch als Kommissar des deutschen Pavillons auf der Biennale Venedig. Seit 1999 arbeitet er außerdem am Aufbau einer Sammlung von künstlerischen Fotografien im Auftrag der Deutschen Börse. Er kuratierte zudem zahlreiche Ausstellungen und lehrte an den Universitäten Frankfurt am Main und Giessen.

„In der modernen Kunst ist heute alles möglich“, sagte Ammann im Interview und es klingt nicht, als ob er dies bedaure. Dass er ein Optimist sei, hätte der Erwähnung nicht bedurft, denn er bezeichnet selbst die teils absurden Bewegungen am globalen Kunstmarkt als etwas „grundsätzlich unerhört Positives“. Aus dieser Haltung spricht jedoch nicht die Idee des „anything goes“, sondern vielmehr die Erfahrung aus 40 Jahren intensiver Beschäftigung mit Kunst und der Glaube an die Durchsetzungsfähigkeit qualitativ guter künstlerischer Arbeit. Das wiederum verweist auf die ewige Frage nach der Unterscheidung von Kunst und Nichtkunst, die sich im unüberschaubaren Angebot an Kunst der Jetztzeit mehr denn je stellt. Man müsste viel sehen, sehr viel, wie Ammann betont und er muß es wissen, denn nur wenige Menschen haben so viele Stunden, Tage, Wochen, Monate in den Ateliers der Künstler dieser Welt verbracht und geschaut und ausgewählt. Und anders als so mancher Kunsttheoretiker fallen ihm Beurteilungen nicht schwer. Die Arbeiten eines Damien Hirst hätten mit Kunst nichts zu tun, sondern nur mit dem Kunstmarkt, so Ammann. Die diesjährige Documenta sei „das Schlimmste, was er je gesehen hätte, denn da hätte ein documenta-Leiter versucht, den Kunstmarkt zu umgehen. Eine wohltuend klare Meinung hat Jean-Christophe Ammann und bewegt sich damit abseits der enervierenden Political Correctness.
Ammann gehört zu Jenen, die einen wirklich relevanten Beitrag zur Diskussion um die Kunst liefern. Seine Einschätzung hat Gewicht und so wird heute und in Zukunft seine Beratung hoch geschätzt sein.
Ein Phänomen unserer Zeit ist, dass es so viele Menschen, wie noch nie vorher, gibt, die über genügend Geld für den Kauf von Kunst verfügen. Nur fehlen die entsprechenden Berater in großer Zahl, die auf einen ausreichend großen Erfahrungsschatz zurückgreifen können. Nur so wurde es möglich, dass auf dem Kunstmarkt derart viel Fragwürdiges für horrend viel Geld den Besitzer wechselt. Wer Kunst kauft, sollte also entweder den richtigen Berater finden, oder sich selbst auf den beschwerlichen Weg hin zur Beurteilung eines Kunstwerkes begeben.
Ein Kunstwerk entsteht immer aus Notwendigkeit. Und niemals aufgrund reinen Wollens. Ein Kunstwerk will nicht entstehen, es muß. Wie man das sehen kann? Indem man es fühlt; denn das wahre Kunstwerk berührt die Seele und den Geist. Und es bleibt. Das sind die untrüglichen Zeichen für Kunst. Dazu bedarf es nicht des abgeschlossenen Kunstgeschichtsstudiums, wohl aber eines guten Überblicks nicht nur über die Kunstgeschichte, sondern auch über Entwicklungen in der Philosophie, Literatur und Psychologie und nicht zu vergessen, der Liebe zur Kunst. Jean-Christophe Ammann weiß das, denn, wie er 1994 im Gespräch mit dem Schweizer Künstler Rémy Zaugg sagte, er steht „voll und ganz im Dienst der Kunst“.

Daniela Krien

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2 Kommentare zu “Vlog, Videoblog: Jean-Christophe Ammann: Ein Leben für die Kunst”

  1. 01

    meiner meinung nach brauchen die medien dieser welt immer wieder neue stimmen und geister, die uns mit ihren augen den blick über unseren eigenen tellerrand erlauben.
    unser microkosmos ist oft zu klein, um die vielfalt an menschen und deren geschichten selbst erleben zu können.
    euren ansatz finde ich sehr interessant und umsetzenswert.

    mein tip:
    dokumentarisch zu arbeiten heißt nicht, die dramaturgie völlig aus den augen zu verlieren. dem anspruch von amadelio eine neue stimme im www zu sein, sollte jetzt auch eine stimmige umsetzung folgen.

    merci bien für eure aufmerksamkeit

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    melanierichter am 19. October 2007 um 08:43
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  2. 02

    Liebe Melanie,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Wir sind immer froh über konstruktive Kritik. Ich muß allerdings nachhaken:
    Was genau meinst Du, wenn Du die Dramaturgie ansprichst? Die Auswahl der Gesprächspartner und die Reihenfolge oder die fehlende Dramaturgie innerhalb eines Beitrags?
    Schreibe doch bitte konkret, was Dir nicht gefällt.

    Wir danken Dir.

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    Daniela Krien am 19. October 2007 um 12:31
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