Archiv für die Kategorie 'Interview: Liebe und Leben'
Saturday, 29. December 2007

Interview mit Jock Sturges (Deutsch: Quicktime-Video)
English Version of the Interview and Essay
Offizielle Filmwebsite (Trailer, Gallery, DVD, 99 Minuten)
Jock Sturges und die Schönheit
Im Sommer 2007 reisten wir an die französische Atlantikküste, um einen Künstler zu treffen, dessen Bilder aus der Vielfalt der zeitgenössischen Fotografie herausragen. Sein Sujet ist der Mensch, sein Handwerkszeug eine Großformatkamera und mit dieser bildet er nichts Geringeres ab als die Schönheit.
Sein Anspruch an ein Bild: Es muß wahr sein. Seit über 30 Jahren nun schon arbeitet der amerikanische Fotograf Jock Sturges an dieser heutzutage leider oft belächelten Idee von Kunst.
Um zu verstehen, was so besonders ist an einem Werk wie seinem, kommt man nicht umhin, sich mit dem Begriff der Schönheit auseinanderzusetzen.

Jock Sturges. Nikki. Montalivet. France. 1996.
Schönheit ist zunächst einmal ein abstrakter Begriff, ein Konzept, das nur schwer eindeutig zu bestimmen ist. Zudem ist Schönheit stark abhängig von geschichtlichen Epochen und Kulturen. Dennoch gibt es ein gewisses Maß an globaler Übereinstimmung was die Vorstellung von etwas Schönem angeht. Als schön kann ein Mensch, ein Tier, eine Pflanze, ein Gegenstand, aber auch eine Idee oder Seele empfunden werden. Und schon Schiller stellte in seiner Schrift „Kallias oder über die Schönheit“ fest, man könne den Begriff vom Schönen deduktiv herzuleiten versuchen, würde jedoch nicht ohne die Erfahrung des Schönen auskommen. Und Schönheit hat sicherlich jeder Mensch schon einmal erfahren. Jeder hat sofort ein Bild vor Augen. Irgendwie hat es zu tun mit einer gewissen Stimmigkeit der Proportionen, mit Symmetrie, mit Berührung. Was genau nun Schönheit ist, bleibt dennoch ungenau.
Versuch einer Annäherung
Bei dem Versuch, die Schönheit an sich näher zu bestimmen, kommt man (more…)
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Interview: Fotograf, Interview: Gesellschaft, Interview: Kunst und Kultur, Interview: Liebe und Leben, Interview: Politik, Interview: Staatstätigkeit, Interviews |
Monday, 19. November 2007

Interview mit Dr. Inka Graeve Ingelmann (Quicktime-Video)
Frauen in der Kunst
In den letzten Wochen häuften sich in den Feuilletons die Artikel über Frauen in der Kunst. Rund um den 100. Todestag der berühmten Malerin Paula Modersohn-Becker wurde darüber debattiert, warum Frauen im Kunstmarkt nur selten den Stellenwert ihrer männlichen Kollegen erreichen, ob es miteinander zu vereinbaren ist, Künstlerin und Mutter zu sein und so weiter und so fort.
In Deutschland ist dies noch einmal mehr Thema, da sich das hiesige Bild einer guten Frau und Mutter deutlich vom Bild der Künstlerin unterscheidet. In Rechtfertigungszwang gerät eine Künstlerin hier in jedem Fall.
In den Niederlanden dagegen lässt sich künstlerische Arbeit scheinbar leichter mit dem Ehe- und Mutterleben vereinbaren. Künstlerinnen wie Carla van de Puttelar (Mann und drei Kinder) und Hellen van Meene (ebenfalls Mann und drei Kinder) leben es vor. Auch der Videokünstlerin und Fotografin Fiona Tan gelingt es, Familie und Kunst unter einen Hut zu bringen.

Fiona Tan. Vox Populi. Tokyo.
Fiona Tans derzeitige Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne wird ebenfalls von einer Frau kuratiert. Dr. Inka Graeve-Ingelmann (more…)
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Interview: Gesellschaft, Interview: Kunst und Kultur, Interview: Liebe und Leben |
Monday, 9. April 2007

Interview mit Laila (Quicktime-Video)
Kulturelle Identität
Gibt es so etwas wie kollektive oder kulturelle Identität? Wo hört das Ich auf und wo beginnt das Wir?
Sobald sich ein Mensch als einer Gruppe zugehörig bezeichnet, erfolgt eine klare Abgrenzung von anderen Gruppen und Individuen. Sobald man über sich selbst spricht, über die eigene Biographie, referiert man permanent auf Kontinuität und Kohärenz. Das heißt, die Kontinuität der eigenen individuellen Entwicklung und das geschlossene Bild, die Logik, die darin liegt, sind entscheidende Kategorien, um Identität zu beschreiben.
Das mag noch relativ einfach sein, wenn ein in Deutschland geborener und aufgewachsener Mensch sich logischerweise als Deutscher bezeichnet. Wobei damit nicht vielmehr gesagt ist, als dass er eben kein Pole, Amerikaner oder Russe ist, sondern Deutscher. Das Spezifische am Deutschsein ist allerdings noch vollkommen ungeklärt.
Schwieriger wird es, wenn eine junge Frau namens Leila, die aus dem Irak stammt und mit ihren Eltern einst in die DDR zog und dort aufwuchs, über ihr Leben spricht. Dann fallen Sätze wie: „Ich komme aus dem Irak, wohne jetzt in Ostdeutschland und habe hier eine deutsche Tochter gekriegt.“ Diese Aussage gibt etwas preis über ihre individuelle Identität, nicht aber über ihre kulturelle, denn der Begriff der kulturellen Identität ist in hohem Maß von einer Gruppenzugehörigkeit gekennzeichnet. Welcher Gruppe gehört sie an? Der Gruppe der Muslime? Der Gruppe der ehemaligen DDR-Bürger? Der Gruppe der jungen alleinerziehenden Mütter mit Kind? Letztere verfügen wohl nicht über ausreichend Bindungskraft, um überhaupt die Bezeichnung Gruppe tragen zu dürfen. Und Muslimin ist sie im Herzen, aber nicht (more…)
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Interview: Gesellschaft, Interview: Liebe und Leben |
Tuesday, 27. March 2007

Interview mit Ariadne von Schirach (Quicktime-Video)
Ariadne von Schirach: Porno und Liebe, Sex und Zärtlichkeit
Die bildliche Darstellung des Geschlechtsaktes hat es schon immer gegeben. Menschheitsgeschichtlich relativ neu dagegen sind pornographische Bewegtbilder, Pornofilme also. Mittlerweile erscheinen jeden Monat circa 500 neue Pornofilme. Das Angebot ist extrem unübersichtlich, aber man kann sagen: Es gibt nichts, was es nicht gibt.
Auch die Zugänglichkeit zu Pornos hat sich enorm geändert. Durch die massenhafte Verbreitung des Internet kann heute jeder Jugendliche nach Lust und Laune Pornos gucken. Kurz: die Gesellschaft wird pornographisiert. Nun gibt es ein Buch zu diesem Thema. Die Autorin heißt Ariadne von Schirach und der Titel des Buchs lautet: Der Tanz um die Lust.
Im Tanz um die Lust geht es kurz zusammengefaßt um Pornographie und darum, wie selbige unsere Gesellschaft beeinflusst. Das Buch steckt voller scharfsichtiger Beobachtungen und kluger Thesen und am Ende, im letzten Kapitel, gibt es einen Ausblick voller Hoffnung, den einzigen Ausweg aus der pornographisierten Welt: die Liebe. Zwar bleibt Ariadne von Schirach an diesem Punkt diffus und spricht recht allgemein von der Liebe zu sich selbst und allen anderen, aber immerhin, es geht um Liebe.
Es ist gut, daß eine Frau dieses Buch geschrieben hat, da Frauen häufig dazu neigen, sich, wenn es um das Thema Pornographie geht, despektierlich abzuwenden und das Feld den Männern zu überlassen. Sicherlich ist es richtig, daß Pornos hauptsächlich von Männern produziert und konsumiert werden, aber ebenso sicher ist, daß pornographische Bilder auch bei Frauen Erregung hervorrufen. Die meisten Pornos allerdings lassen den (weiblichen) Zuschauer (more…)
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Wednesday, 21. March 2007

Goldenes Kalb. Bronze. Andreas Grahl.
Unsere Warenwelt hält uns Werbebilder vor Augen, die uns suggerieren, das jeder “schön” sein kann, jeder ein “Star” sein kann. Der Großteil der Menschen ist jetzt in diesen Warenwelten gefangen, da sie nichts mehr entgegensetzen können. Sie irrlichtern durch die Regale, durch die Webseiten der pornografischen Verheißungen, der Träume des Starseins. Einsam und unbefriedigt, unfähig noch einen Menschen zu berühren, sogar ängstlich vor einem tieferen Gespräch, suchen sie in ihrem ganzen amorphen Zustand nach einem Glück, welches ihnen die Warenwelt vorgaukelt, aber niemals zur Gänze befriedigt, befriedigen kann, befriedigen will.
So ist dieser Konsument, eingeklemmt in seinen tiefsten Sehnsüchten, ausgebeutet von den Marketingstrategen und Einflüsterern, den cleveren Produktherstellern, unfähig ein eigenes Leben zu führen. Da die kleinste Zelle, die Familie, zerknackt wurde, und man dadurch atomisierte Menschen erhalten hat, ist der willfährige Konsument entstanden. Es gibt keinen besseren Konsumenten, als den unglücklichen. Der Mensch, der außerhalb der Waren- und Dienstleistungswelt glücklich sein kann, oder zumindest zufrieden, der ist ein schlechter Konsument. Das Trommeln (more…)
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Tuesday, 6. March 2007

Interview mit Jana (Quicktime-Video)
Statistisches
Im Jahr 2005 gab es in Deutschland 2,6 Millionen Alleinerziehende, 15% mehr als im Jahr 1996. Von diesen 2,6 Millionen sind 87% Frauen und 13% Männer. Das ergab der Mikrozensus („kleine Volkszählung“) des Statistischen Bundesamtes Deutschland aus dem Jahr 2005. Bei der Zuerkennung des Status alleinerziehend ist es unerheblich, ob beide Elternteile sorgeberechtigt sind. Vielmehr geht es in der Befragung um die alltägliche Lebenssituation. Der Wochenendpapa oder die Wochenendmama hebt somit nicht den Status der Alleinerziehung des jeweiligen anderen Elternteils auf.
Die Gründe für das Leben mit Kind ohne Partner sind meistens Trennung bzw. Scheidung oder Verwitwung. Ein geringer Anteil kam erst gar nicht bis zur Partnerschaft, sondern blieb gleich mit dem Kind allein.
Gleichzeitig ist eine Entwicklung zu beobachten, die eventuell Rückschlüsse auf die Gründe dieser Tendenz zulässt. Denn nicht nur die Zahl der Alleinerziehenden steigt, sondern auch die der nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern. Seit April 1996 ist ein Anstieg um 28% auf 306 000 zu beobachten. Die Eheschließungen dagegen sinken.
Der Traum vom Glück
Dies könnte bedeuten, dass sich Paare ohne Trauschein leichter oder leichtfertiger trennen und die Ehe eine Familie tatsächlich stabiler macht. Offenbar hat der heutzutage oft belächelte Trauschein eine nicht zu unterschätzende bindende Wirkung auf die Partner. Die Ehe als Institution scheint keineswegs überholt, sondern absolut sinnvoll zu sein.
Was aber, wenn eine Trennung den Eltern als einzige Lösung erscheint? Was sind die Gründe? Wie geht es dann weiter?
Definitiv ist es so, daß sich heutzutage wesentlich schneller getrennt wird, als das noch in der Generation unserer Eltern der Fall war. Emanzipation und Gesetzesänderungen machen es möglich. Das sich hartnäckig haltende Ideal des lebenslangen Glücks mit einem Partner führt dazu, dass Paare sich trennen, (more…)
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