Arthur Rimbaud - Die Läusesucherinnen

Egon Schiele.
“Ruft nachts des Knaben Stirn die lange Kette
verworrner Träume fieberglühend an,
so nahn zwei schöne Schwestern seinem Bette,
mit schlanker Hand und Silbernägeln dran.
Sie setzen ihn ans offene Fenster nieder,
wo wie ein Bad die Luft die Blumen wiegt,
und streichen süß und quälend hin und wieder
sein schweres Haar, in dem der Nachttau liegt.
Er spürt den Duft von ihren Atemzügen,
den Duft von Honig, blütenreich und schwer,
hört ihren unruhvollen Atem fliegen,
erstickt von Speichel und voll Lustbegehr.
Hört ihre schwarzen Augenwimpern schlagen
im duftenden Schweigen, fühlt die sanfte Hand
mit ihren Silbernägeln Läuse jagen,
in schwerer Trägheit, langsam und gewandt.
Wie Wein steigt eine Ohnmacht ihm zu Sinnen,
und ein Begehren, das zum Wahnsinn bringt,
ein Sehnen, heiß zu weinen, fühlt er innen,
das, wie die Hände, langsam steigt und sinkt.”
Arthur Rimbaud (aus dem Französischen von K. L. Ammer)
Arthur war sechzehn als er diese Zeilen schrieb.
Euer Lazar
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