Truman Capote - “Ich bin schwul, …

… ich bin süchtig, ich bin ein Genie.”

Truman Capote ist sicherlich eines der präsentesten Galahühner der 60er und 70er Jahre in Amerika. Mich berührte vor allem sein Erstlingswerk “Andere Räume, andere Stimmen”. Die Poesie darin und Capotes literarische Hingabe beeindruckten mich sehr. In den nachfolgenden Jahren begegnete mir Truman Capote in allen großen Portraitbüchern, sei es von Richard Avedon, von Irving Penn oder auch Henry Cartier Bresson. Überall tauchte er auf, um ein gutes Bild abzugeben. Selbst in dem sagenumwobenen Studio 54 war er einer der hartgesottensten Stammgäste, der sich in den 36 Monaten, die der Club nur geöffnet hatte, fast um den Verstand trank.

Der oben genannte Titel jedenfalls “Ich bin schwul, ich bin süchtig, ich bin ein Genie.” beschreibt sein Leben und seine Haltung ganz genau.

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Tuman Capote von Irving Penn fotografiert.

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Truman Capote von Cartier Bresson fotografiert.

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Truman von Avedon fotografiert.

(Dieses Bild stammt aus der Zeit des Clubs “Studio 54″)

Hier noch einige Auszüge aus Gesprächen mit Lawrence Grobel:

Über Künstler:

L.G.: Gibt es denn lebende Künstler, die Sie mögen?

T.C.: Da muß ich ein wenig nachdenken. Ich mag eine Reihe von Künstlern, aber keiner, der mir einfällt, ist noch am Leben. Es muß doch noch lebende Künstler geben, die ich mag …

Also ich mag Francis Bacon.

Und David Hockney?

Oh, na ja, als Witz vielleicht. Auf eine Art mag ich ihn. Ich hätte eigentlich nichts dagegen, etwas von ihm zu haben. Hin und wieder sehe ich etwas von Hockney in den Wohnungen anderer Leute, das mir ganz richtig vorkommt, wie es da hängt.

Und Henry Moore?

Nein, ich mag seine Skulpturen nicht. Sie langweilen mich.

Ich habe Moore einmal aufgefordert, sich mit Picasso zu vergleichen, aber er war nur bereit, sich an den Platz zu stellen, der ihm, wie er meinte, gebühre, neben Rembrandt und Michelangelo.

Sie meinen, er sich selbst …

Er sprach bestimmt nicht von Duchamp.

Es gibt nichts, was mich weniger interessiert als Duchamp. …

Beginnen wir mit Andy Warhol.

Andy ist ein sehr schüchterner Mensch mit einer unwahrscheinlichen Gabe, andere für sich einzuspannen. In dieser Fabrik, die er dort unten betreibt, hat er dreißig oder fünfunddreißig Leute, mehr oder minder unterbezahlt, die all diese unglaublichen Sachen für Andy machen, und man begreift nicht recht, worin eigentlich seine Macht besteht. Es ist eine Art komisches Waisenhaus für Möchtegerntalente.

Halten Sie ihn für einen bedeutenden Künstler?

Nun, er hatte großen Einfluß auf enorm viele Leute. Als Kind hatte Andy diese fixe Idee über mich und schrieb mir dauernd Briefe aus Pittsburgh, als er noch die High School besuchte. Als er dann nach New York kam, stellte er sich immer vor mein Haus und stand einfach da und wartete den ganzen Tag, bis ich herauskäme. Er wollte sich mit mir anfreunden, wollte mir etwas erzählen, mit mir sprechen. Er machte mich verrückt. Aber ich habe manche Leute gekannt mit solchen fixen Ideen.

Über Reiche:

L.G.: Malcolm Brinnin stellt fest, Sie hätten, als Sie Anfang Dreißig waren, bereits eine ganze Reihe von Stadien durchlaufen: von alten Freunden, über Bekanntschaften im Show-Business, bis zur internationalen Society. Hat Ihnen immer so etwas wie Answered Prayers vorgeschwebt, während Sie wie Brinnin es nennt, ein Maskottchen der Café-Society wurden?

T.C.: Ach, das bin ich nie gewesen. Ich hatte eine Menge reicher Freunde. Ich habe immer noch viele reiche Freunde. Ich mag reiche Leute gar nicht besonders. Ich habe sogar eine gewisse Verachtung für die meisten. Ich würde sagen, die meisten Reichen, die ich kenne, wären - mehr als jeder andere, der mir gerade einfällt - absolut verloren, falls sie nicht ihr Geld hätten. Das ist’s, warum Geld ihnen so viel bedeutet, warum sie so verzweifelt darauf fixiert sind und warum sie so eng zusammenhängen, wie ein Bienenschwarm im Bienenkorb, denn das einzige, was sie in Wahrheit haben, ist ihr Geld. Hätten sie es nicht, dann hätten sie einfach absolut gar nichts.

Die Antwort auf die Frage: “Sind die Reichen anders?” wäre also: “Ja, sie haben mehr Geld.”

Nein, nein. Der wahre Unterschied zwischen reichen Leuten und normalen Leuten ist, daß die Reichen so phantastisches Gemüse servieren lassen. Köstliche, winzig kleine Feldfrüchte. Frischgeborene Kleinigkeiten, kaum eben aus der Erde. Winziger Baby-Mais, winzige Erbsen-Babys, winzige Lämmchen, eben aus dem Mutterleib gerissen. Das ist der wahre Unterschied. All ihr Gemüse und ihre Fleischspeisen, die sind so unglaublich frisch und noch ungeboren.

Über den Tod:

L.G.: Was halten Sie von der Sehnsucht der Menschen nach Unsterblichkeit?

T.C.: Ich habe sie nie gehabt, und darum kann ich’s Ihnen nicht sagen. Für mich ist es die sinnloseste Sache von der Welt. Ich merke höchstens etwas davon, wenn ich Leute mit ihren Enkelkindern sehe, und dann seh ich was es damit auf sich haben könnte, warum sie so ein Getue um ihre Enkelkinder machen. Es hat etwas mit ihrer Vorstellung von Unsterblichkeit zu tun.

Glauben Sie an ein Leben nach diesem?

Ich bin mir nicht sicher.

Glauben Sie an die Wiedergeburt?

Ich bin mir nicht sicher.

Hofften Sie nicht darauf, im nächsten Leben eine Seeschildkröte zu sein?

Das habe ich früher einmal gesagt, weil sie so uralt werden und so weise.

Als was möchten Sie im nächsten Leben wiederkehren?

Als Bussard.

Wieso als Bussard?

Weil Bussarde hübsch sind und frei. Niemand mag sie. Niemand kümmert sich darum, was sie tun. Da kümmert man sich weder um Freund noch um Feind. Man ist einfach da, dort draußen, man flattert davon, man freut sich seines Lebens, hält Ausschau nach etwas zu fressen.

So, nun aber erstmal genug für heute, ich komme wieder, keine Frage.

Euer Lazar


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