Auguste Rodin - “Einminuten-Zeichnungen” 06

rodin_zei_09.jpg

Auguste Rodin.

Auguste Rodin, der Meister der Skulptur, schuf vor allem am Ende seines getriebenen Künstlerlebens unzählige wunderbare Aktzeichnungen und -aquarelle; bekannter als “Einminuten-Zeichnungen”.

Immer und immer wieder kam Rodin bei jenen Akten auf dieses Sich-nach-innen-Biegen zurück, auf dieses angestrengte Horchen in die eigene Tiefe. Zu sehen ist dies in der wundervollen Gestalt, die er “La Méditation” nannte, oder in jener unvergeßlichen “Voix intérieure”, die leiseste Stimme Victor Hugo’scher Gesänge, die auf dem Denkmal des Dichters fast verborgen unter der Stimme des Zornes steht. “Niemals ist ein menschlicher Körper so um sein Inneres versammelt gewesen, so gebogen von seiner eigenen Seele und wieder zurückgehalten von seines Blutes elastischer Kraft. Und wie auf dem tief seitwärts gesenkten Leibe der Hals sich ein wenig aufrichtet und streckt und den horchenden Kopf über das ferne Rauschen des Lebens hält, das ist so eindringlich und groß empfunden, daß man sich keiner ergreifenderen und verinnerlichteren Gebärde zu erinnern weiß. ”

Rainer Maria Rilke

Euer Lazar


Über diesen Artikel